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hier gibt es Infos über die Bergwelt, Geschichtliches, Klima, Flora und Fauna Wer sich in die piemontesischen Alpen begibt, den erwartet eine grundlegend andere Landschaft, als er es von den Bergen auf der Nordseite gewohnt sein wird.
Mitten in Westeuropa tut sich eine ungeheure Wildnis auf (der Val Grande Nationalpark ist sogar ganz offiziell die größte
Ohne gute Ortskenntnis bleiben einem nur die spärlich vorhandenen, gepflegten Wanderwege. Abseits davon regiert die rauhe Natur. Abenteurer, die sich dort hinein begeben, haben mit zahlreichen Problemen zu kämpfen: es gibt keine guten Karten, die Berge sind steiler und schroffer als anderswo, das subtropische Klima führt zu raschen Veränderungen in der Landschaft, und eine Wegpflege findet nicht statt.
So verfallen die einst zahlreichen Älplerpfade nach und nach und geraten in völlige Vergessenheit. Oft sind nur noch Rudimente von Steintreppen, Mäuerchen und Stegen vorhanden, der Rest wird durch die dichte Vegetation verdeckt oder von der Erosion vernichtet.
Hinzu kommen die enormen Höhenunterschiede zwischen Graten und Tälern. Das Val d´Ossola liegt auf gerade einmal 200 Metern über dem Meer – so werden auch Gipfel, die die 2000 Meter kaum erreichen, zu einer echten Herausforderung. Und dann die Hütten! Vergessen Sie die großen, bewarteten Unterkunftshäuser der Nordalpen! Die meisten Lager der Region bieten nur wenige, spartanische (Stroh-)Lager, und am Abend ist man nicht selten damit beschäftigt, Holz für den kleinen Ofen zu sammeln, um das Gemäuer etwas zu erwärmen und um kochen zu können.
Die Besucherzahlen pro Jahr (!) bewegen sich zwischen 10 und 50, man ist meist alleine unterwegs. Da aber fast nirgends vorreserviert werden kann, muss man auch immer damit rechnen, in den winzigen Unterkünften doch keinen freien Platz mehr zu ergattern. Dann ist improvisieren angesagt!
Kurz gesagt: optimale Voraussetzungen für ein Abenteuer der besonderen Art!
Schöne Webcams, die unter anderem Aufschluß über die aktuelle Schneelage geben, gibt es hier (nur in den Winter-/Frühlingsmonaten aktiv): Mottarone, 1491m, Südflanke Moncucco, 1902m, Nordostflanke, direkt über Domodossola, gegenüber die Berge des Valle Vigezzo (manchmal ist die Kamera auch direkt auf den Gipfel geschwenkt) Piana di Vigezzo, 1714m, Nordflanke
Geschichtliches Insbesondere das Val Grande wartet mir zahlreichen Sehenswürdigkeiten aus der Historie auf. Man mag es kaum für möglich halten, doch in den unzugänglichen Schluchten des heutigen Nationalparks haben sich einst bedeutende und nicht weniger tragische Kriegsereignisse zugetragen.
Vor und noch während des Ersten Weltkriegs wurde entlang der italienischen Nordgrenze die sogenannte "Linea Cadorna" erbaut, benannt nach General Cadorna, der dieses Projekt ins Leben gerufen hat. Aus Angst, deutsche Truppen könnten die Schweiz überrollen und dann in Norditalien einfallen, wurde ein schier endloser Schützengraben im gebirgigen Hinterland errichtet, mit Kommandoposten, Artilleriepositionen, Versorgungsstollen und Lagerstätten. Zum Einsatz kam die Anlage nie, sie wurde nach Ende des Krieges aufgegeben.
Heute kann man im Süden des Nationalparks noch zahlreiche Monumente dieser gewaltigen Festungsanlage betrachten. Insbesondere die folgenden Touren eignen sich dafür: Piz Proman (ohne den Militärweg auf den Gipfel wäre dieser wohl auch heute noch unzugänglich)
Einen sehr schön gemachten, kleinen Film über die Linea Cadorna kann man sich hier ansehen:
Fast noch beeindruckender, zwar weniger monumental, doch dafür wesentlich tragischer und erschütternder ist die Geschichte der "Resistenza" aus dem Zweiten Weltkrieg.
Im Frühsommer 1944 leisteten italienische Partisanen erbitterten Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Wenig später wurde sogar die "Partisanenrepublik Ossola" ausgerufen, um sich dem Einfluss der fremden Machthaber zu widersetzen. Diese entsandte Truppen der SS Milano in das Gebiet, welche die Aufständischen erbarmungslos jagten und niedermetzelten.
Viele der Verfolgten suchten Zuflucht in den unwegsamen Schluchten des Val Grande und bei den dort damals noch ansässigen Älplern, die dafür ebenfalls oft mit dem Leben bezahlen mussten. In und um den Nationalpark zeugen heute zahlreiche Gedenktafeln von den Verfolgungen durch die Nazis, bei denen hunderte Patrioten ihr Leben verloren. Kaum vorstellbar, mit welch brutaler Gewalt die teilweise unbewaffneten Männer noch in den verstecktesten Winkeln des Val Grande aufgespürt und erschossen wurden.
Auf beinahe sämtlichen Touren im Nationalpark finden sich Spuren dieser Ereignisse, die ich gerne näher erläutere.
Klima Rund um den Lago Maggiore herrscht subtropisches Klima mit feuchten, heißen Sommern und trockenen, milden Wintern. Die grundsätzlich schönste Wanderzeit ist mit Sicherheit der Herbst, der von September bis in den Dezember hinein dauert und meist von stabilen Hochdruckgebieten mit klarstem Himmel und der entsprechenden Fernsicht geprägt ist. Optimale Tourenbedingungen für den Val Grande Nationalpark! Vergessen Sie die derzeit veröffentlichten Klimatabellen, in denen der September als "feuchter Monat" geführt wird! Es gibt genug Sprichworte der Einheimischen, die besagen, dass von September bis Dezember kein Tropfen mehr vom Himmel fällt. Und das kann ich nur bestätigen, an einen verregneten Herbst kann ich mich nicht erinnern... selbst 2008, dem niederschlagreichsten Jahr der italienischen Geschichte, schien oft die Sonne!
Schnee fällt nur selten vor Januar. Dann und im Februar kann es aber schon vorkommen, dass Frau Holle auch in den Tälern vorbeischaut und diese für zwei bis drei Wochen bezuckert. Winter: perfekt für eine Schneeschuhtour am Lago Maggiore!
Ab Mitte März bricht der Frühling durch, die Südseiten der Berge tauen durch die deutlich wärmere Sonne als in den nördlicheren Breiten rasch ab, so dass bereits jetzt Gipfelbesteigungen möglich sind, solange man die Der größte Unterschied zwischen Süd- und Nordseite herrscht im April - in den Tälern hat es dann bereits oft über 20 Grad, die Schattenseiten tauen jedoch noch nicht auf.
Im Mai wird es dann sommerlich, der Schnee zieht sich rasch zurück und gibt viele Tourenmöglichkeiten frei. Es kann aber auch ein bisschen nass werden, Mai und Juni sind die niederschlagreichsten Monate. Der Hochsommer ist geprägt von schwülwarmer Luft, in den Tälern brüten 40 Grad, auch auf den Val-Grande-Gipfeln kühlt es kaum ab. Schwere Gewitter stehen praktisch jeden Abend auf dem Programm - in einer gemütlichen Hütte weniger eine Gefahr als viel mehr ein faszinierendes Erlebnis! Die Tourenbedingungen sind nun besonders in den hohen Bergen im Monte-Rosa-Gebiet ausgezeichnet.
Einen sehr guten, aktuellen Wetterbericht liefert der Schweizer Wetterdienst (es gilt die Prognose für die Südschweiz bzw. das Tessin) - dieser ist 1:1 auf das Val d´Ossola und Umgebung übertragbar.
Wetterbesonderheit Föhn Jeder wird den berühmt-berüchtigten Föhnwind der Nordalpen kennen, der München zur Alpenstadt werden lässt und für allerklarsten Himmel, jedoch auch nicht selten für Kopfschmerzen sorgt.
Föhn auf der Nordseite der Alpen entsteht, wenn ein atlantisches Tiefdrucksystem so weit nach Süden vordringt, dass es über das Mittelmeer und Norditalien wandert, bis es an die Alpen stößt und von dieser natürlichen Barriere aufgehalten wird. Dann sorgt ein starker Fallwind für warme Temperaturen und klaren Himmel im Norden. Meist hält dieser Zustand allerdings nur wenige Stunden bis höchsten ein paar Tage an, ehe das Tief die Alpen überwunden hat und auch im Norden abregnet.
Im Süden entsteht Föhn hauptsächlich dann, wenn eine Strömung feuchter, polarer Luftmassen („Islandtief“) auf die Alpen trifft und sich dort staut, was weitaus häufiger vorkommt als der vorgenannte Fall. Dann sorgt zwar ebenfalls ein starker Sturm für einen wolkenlosen Himmel, doch im Gegensatz zum Süd-Föhn der Nordalpen kann dieser Zustand über viele Tage und in seltenen Fällen sogar Wochen andauern.
Eine der stärksten Föhnsituationen gab es erst im September 2007. Während der Herbst im Norden durchweg verregnet war, sorgte die „Alpenwand“ für einen der trockensten Monate am Lago Maggiore. Vier Wochen am Stück war der Himmel wie leergefegt.
Die Nähe zum Wallis verhilft der Region zu solch außergewöhnlich stabilen Föhnsituationen. Denn die Tiefdruckgebiete müssen hier gleich zwei gigantische Barrieren überwinden: das Berner Oberland mit dem Aletschgebiet sowie den Alpenhauptkamm mit Monte Rosa und Mischabel. Daher ist die Region vor Frontensystemen, die aus Norden und Westen kommen, gut geschützt.
Der Föhn bestimmt also das Wetter in Norditalien das ganze Jahr über wesentlich mit und ist hier keinesfalls nur eine Ausnahmeerscheinung wie im Norden.
Flora
Das subtropische Klima prägt natürlich auch die Pflanzenwelt der Region.
In den Tälern herrschen mediterrane Pflanzen vor, das ganze Jahr über wachsen Palmen und exotische Blumen im Freien. Es schließt sich bis circa 800m ein Gürtel aus dichtem
Die Fauna unterscheidet sich grundlegend von der der Nordalpen - die typischste aller Alpenblumen, das Edelweiß, wird man nur in den seltensten Fällen vorfinden. Stattdessen kann man prachtvolle Feuerlilien, Fingerhut, Ginster, süß duftenden Seidelbast und riesige Alpenrosenfelder erleben. Schmackhafte Heidel-, Him- und Brombeeren versüssen den Aufstieg ab August. Die Kastanienwälder bestehen aus Maroni, also Esskastanien.
Berühmt ist die Region auch für ihren Pilzreichtum. Im Herbst findet man vor allem den König der Pilze, den Steinpilz, in rauen Mengen. Aber auch Parasol, Marone, Pfifferling und sogar der seltene Kaiserling kommen vermehrt vor.
Dazu ein Wort zum Fuchsbandwurm: dieser ist bis dato in der Ossola-Region noch nicht nachgewiesen worden. Und selbst wenn er eines Tages einwandern sollte: bei Risikostudien wurde kein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Beeren oder Pilzen und erhöhten Infektionsraten festgestellt. So meint der Molekularbiologe und Fuchsbandwurm-Experte Klaus Brehm von der Universität Würzburg wörtlich: „Dass man sich von Beeren den Fuchsbandwurm holen kann, gehört ins Reich der Legenden. Es ist für keinen einzigen Patienten erwiesen, dass er sich so angesteckt hat.“
Hier muß eindeutig zwischen den Bergen rund um den Lago Maggiore und dem Monte-Rosa-Gebiet unterschieden werden. In letzterem sind sämtliche auch im Norden bekannte Tierarten heimisch: Murmeltier, Gämse, Steinbock, Adler, Dohle.
In tieferen und damit wärmeren Regionen tummeln sich viele Eidechsen und Salamander, auch die bunt schillernde Smaragdechse ist hier zuhause. Bei
Etwas höher trifft man oft auf Rot- und Damwild, auch Füchse sind häufig zu sehen. Gämsen tummeln sich überall in steilem Gebiet oberhalb etwa 1000m.
Nach warmen Wintern kann es zu einer regelrechten Mäuseplage kommen, so geschehen 2005. Erst oberhalb der Vegetationsgrenze ist dann der Proviant vor den kleinen Nagern sicher. Vor allem in den Unterkunftshütten tummeln sich die Tierchen, zusammen mit Siebenschläfern - Rucksäcke und Nahrungsmittel gehören daher immer an einen Nagel gehängt!
Schlangen Die Gegend, insbesondere das Val Grande, ist äußerst schlangenreich - zahlreiche Vipern haben auf den sonnigen Grashängen ihr Zuhause gefunden. Doch so ernst man eine Gefahr durch Schlangenbisse auch nehmen sollte, eine akute Bedrohung allein durch den Aufenthalt in diesen Gebieten ist nicht gegeben.
Schlangen sind sehr scheue Tiere, die äußerst empfindlich auf
Das heißt: beim normalen Wandern braucht man sich keine Sorgen zu machen. Im Val Grande ist es zwar sehr wahrscheinlich, die eine oder andere Viper zu Gesicht zu bekommen, doch mit dem entsprechenden Respekt und Abstand ist das viel mehr ein faszinierendes Naturerlebnis als eine Gefahr für Leib und Leben. Bei einer Rast kann es nicht schaden, sich die Grasbüschel ein bisschen genauer anzusehen, und auch beim Wasserfassen an einer kleinen Quelle oder beim Baden in einer Gumpe stets die Augen offen halten! |
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