Sind die Bergunterkünfte im Piemont vergleichbar mit Alpenvereinshütten im Norden?

Mit einem Wort: Nein!

Bivacco Val Gabbio

  

Grundsätzlich kann man die Schutzhütten der Region in drei Kategorien unterteilen:

-alte Ställe, äußerst spartanisch

-offizielle Berghütten, sehr spartanisch

-private Unterkunftshäuser, mit einem Minimum an Komfort

 

Dazu gibt es noch einige wenige bewartete Hütten - diese sind dann in der Tat mit den großen Häusern des deutschsprachigen Alpenraums vergleichbar. Davon habe ich allerdings keine im Sortiment...

 

Denn was wäre Wildnis noch wert mit einer Übernachtung in einer luxuriösen Herberge? Und was ein Abenteuer ohne sich abends sein Strohlager zu richten, die Feuerstelle zu schüren und Wasser im nahen Bach zu schöpfen?

 

Hier eine kleine Beschreibung dessen, was uns erwartet.

 

 

1) inoffizielle Unterschlupfe, meist ehemalige Ställe oder Heulager

alte Almhütte

Diese Steinhäuser bieten nicht mehr als ein Dach über dem Kopf, und das ist auch nicht garantiert wasserdicht... Sitzgelegenheiten müssen improvisiert werden, die Kochstelle ist üblicherweise in einer Ecke untergebracht, von der der Rauch durch das löchrige Dach einigermaßen gut abziehen kann. Eine Tür ist, wenn überhaupt, auch nur provisorisch vorhanden. Gepflegt werden solche "Unterkünfte" nur sporadisch von Einheimischen, und natürlich auch von mir oder anderen Wanderern, die sich dafür etwas Zeit nehmen.

 

 

2) typisch italienische Berghütten, meist "Bivacco" genannt

Es gibt zwei Arten von "Bivacco" - die einen des italienischen Alpenvereins CAI, der diese vor vielen Jahrzehnten errichtet hat und auch für deren Unterhalt aufkommt, und die der kleineren Clubs oder auch Bivacco Antigineder Val Grande-Nationalparkverwaltung, oft relativ neu erbaut und entsprechend gepflegt.

 

Gemeinsam ist ihnen, daß sie immer geöffnet und unbewartet sind.

 

Die CAI-Biwaks sind üblicherweise "Aluschachteln", also quasi Fertigbauteile, die mit Schlafpritschen, einem Klapptisch und Stühlen bestückt sind und äußert beengte Räumlichkeiten anbieten.

 

Von örtlichen Vereinen unterhaltene Häuser sind meist in der typischen Steinbauweise errichtet. Viele weisen auch eine gewisse Isolierung auf, und fast alle besitzen einen Bivacco Lideshkleinen Holzofen, der als Kochstelle und Heizung dient. Nicht selbstverständlich sind dagegen Matratzen, teilweise muss man auf dem blanken Holzboden nächtigen. Auch die Wasserversorgung ist nicht immer gesichert - wo möglich, wurden Brunnen errichtet, die jedoch vor allem im trockenen Herbst des öfteren kein Wasser führen. Brennholz stellt auch immer wieder ein Problem dar, naturgemäß vor allem bei Unterkünften oberhalb der Baumgrenze. Teilweise besitzen die Hütten eine (Solar-)Stromversorgung, doch meist muß man den Raum mit Kerzen erhellen.

 

 

3) Unterkunftshäuser mit dem Beinamen "Rifugio" oder "Capanna"Rifugio Alpe di Lago

Diese Hütten sind deutlich komfortabler, manche von ihnen haben sogar sanitäre Einrichtungen. Allerdings steht man oft vor verschlossenen Türen, da sie privat unterhalten und nur auf Anfrage oder am Wochenende geöffnet werden.

 

Etwas aus diesen Kategorien scheren Unterkünfte im Tessin aus - es handelt sich zwar fast immer um Selbstversorgerhütten, diese sind aber deutlich gepflegter als in Italien. Manchmal ist auch ein Hüttenwart anwesend. Derzeit habe ich nur eine davon im Programm, das Rifugio Al Legn.

 

Die Hütten sind in der Tourenbeschreibung mit einem link hinterlegt - dieser enthält weitere Informationen und aufschlussreiche Bilder.

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